Bäuerliche Kultur und Lehre vom Grund und Boden: also Beziehung
zur Vergangenheit, den volkstümlichen Bräuchen, der
Kultur des Gebietes im Allgemeinen. So hat es der romagnolische
Literat Manara Valgimigli verfasst‘…die wahrhaft
romagnolische Seele ist die, die an gute Erde erinnert und ihr
Mensch hebt von dieser Erde eine Erdscholle auf, er zerbröckelt
sie in seiner Hand und es wäre fast so, als würde
er sie kosten…’
Und wenn die Kultur der Küche, also di Kunst, Speisen zu
schaffen (die lokalen, landwirtschaftlichen Produkte mit anderen
Zutaten kreativ zu vereinigen und so weiter zu verarbeiten,
dass ein Produkt entsteht, welches anders als die Summe der
Ausgangsprodukte ist…) die antikste Form der volkstümlichen
Kultur ausdrückt, dann ist die Romagna sicherlich ein Gebiet,
das die Geschichte des Bauernbrauchtums in einzigartiger Weise
mit dem Küchenherd in Verbindung bringt.
Die
Hausmannsküche dieses Teils der Romagna ist seit eh und
je von Ritualien geprägt (jahreszeitliche Zyklen, “Fasttage”,
Bauernfeste, Karneval, Fastenzeit), mit den jeweils charakteristischen
Gerichten, Rezepten und Zutaten, die streng eingehalten werden
mussten. Aus diesem Grund haben Kirmes und Dorffeste so oft
einen gastronomischen Schwerpunkt, der wiederum von der Jahreszeit
und damit von der Frische der Lebensmittel abhängt.
Diese Gegend ist stolz auf das berühmteste Kochbuch der
Welt, “Die Wissenschaft in der Küche und die Kunst,
gut zu essen”, das vom Literaten und Hobbykoch, Pellegrino
Artusi, der aus Forlimpopoli stammte, geschaffen wurde; überschäumend
und ironisch geschrieben, (bezüglich der Cappelletti in
der Suppe, dem typischen Weihnachtsessen, spricht er vom Kapaun
als dummes Tier, das sich den Menschen als Weihnachtsgeschenk
anbietet) sah Pellegrino die Küche in einer verschmitzten
Art und Weise, die uns oft zu schaffen macht, dafür aber
soviel Freude bereitet... "
Die Königin der Küche der heimischen Gastronomie sind
nach wie vor die Minestre, nämlich Teigwarengerichte (in
der Romagna Suppen genannt, auch wenn diese in Form von „Pasta
asciutta“ auf den Tisch kommen). Teigwaren, die aus einem
von der “Frau des Hauses” mit dem Nudelholz dünn
ausgerollten Teig, der aus Weizenmehl und Eiern besteht, gemacht
werden: hier entstehen die schmackhaften Cappelletti (gefüllt
mit Quark, Eiern, weichem Fleisch, Parmesan und Muskatnuß);
die Passatelli (Teig aus Eiern, Käse und geriebenem Brot);
die Strozzapreti (der ursprünglich bekannte Teig war der
der Piadina), die mit Gemüse, Kräutern und Käse
gefüllten Tortelli, die Tagliatelle (Bandnudeln), die gemischt
mit einem herrlichen Sugo (Sauce) besonders wohlschmeckend sind.
Die
Römer (und vor ihnen die Etrusker) kannten bereits die
Weine dieser Gebiete und schätzten diese sehr: Plinius,
zum Beispiel, nennt den Sangiovese den Qualitätswein der
Zeit; Leonardo da Vinci ist viele Jahrhunderte später dermaßen
vom Brauch der romagnolischen Leute beeindruckt, die die Trauben
für die Winterzeit aufhängen, dass er diesem Brauch
sogar ein Gemälde widmet. Um den Wein kümmerte sich
in der bäuerlichen Tradition immer der Patriarch der Familie:
er wählte die Sorte aus und war für die Aufbewahrung
verantwortlich. Heutzutage sind die fünf typischen romagnolischen
Weine (Albana, Sangiovese, Trebbiano, Pagadebit, Cagnina) groß
im qualitativen Aufstiegstrend, in Enklave produziert mit auserwählten
Rebsorten, zu einem Großteil der Gebiete der Strasse von
Forlì und Cesena.
Köstliche Produkte lokaler Erzeugung sind zum Beispiel
das Olivenöl von Longiano, Montiano und Roncofreddo; die
Käsespezialitäten des Gebietes um Sogliano (insbesonders
der Grubenkäse); unter den Unterholzprodukten die äußerst
geschätzten Pilze von Predappio und Cusercoli, die wertvolle,
weiße Trüffel von Dovadola und die des Bidente.
Unter
der großen Auswahl an Obst und Gemüse sind vor allem
die Pfirsiche und Kirschen nennenswert: äußerst geschätzt
die Kirsche von Civitella di Romagna und die von Roncofreddo.
Nicht zu vergessen, die Erzeugung des E’ Savor nach der
Weinlese, eine Art Marmelade aus vielen verschiedenen Früchten,
die mit dem Most verarbeitet werden und sehr energiereich ist.
Ein weiteres Produkt ist die Saba, ein zuckerhaltiger und weinartiger
Syrup, der mit Schnee angereichert wird (der Schnee im Glas
...) und so zu einem einfachen Sorbet wird.
Und zuletzt, das volkstümliche Brot der romagnolischen
Bevölkerung: die Piadina, mit ihrem einzigartigen und unvergleichbaren
Geschmack, besonders, wenn man sie gleich warm zu sich nimmt.
Wenn
auch das Brot einst, wenigstens was die Winterzeit betrifft,
nur einmal in der Woche frisch geZurücken wurde (im häuslichen
Zurückofen und unter Einhaltung bestimmter abergläubischer
Rituale, die gutes Gelingen versprachen), so füllte die
la pida das ganze Haus mit ihrem Duft gleich zweimal täglich
aus : nur Wasser und Mehl zu armen Zeiten, mit Salz und Schmalz
, vielleicht auch wildwachsende Kräuter (Kresse) , zu besseren
Zeiten : und gekocht wurde sie nur in der aus gebranntem Ton
bestehenden Pfanne (teglia) , die Ton – bzw. Steinplatte,
wie sie etwa in Montetiffi di Sogliano verwendet wird.
Die gute, alte Pfanne aus gebranntem Ton ist wahrhaft das Beste
zum Kochen der Piadina, denn es genügt wenig Hitze, um
sie zu erwärmen, sie hält die Feuchtigkeit des Teigs
zurück und lässt so die Piadina trockener und knuspriger
werden (heute hat eine junge Familie diese typische, handwerkliche
Produktion wieder aufgegriffen und modern werden lassen).
Entlang der Strasse des Hügellandes von Forlì und
Cesena kann man vielerlei typische, einheimische Produkte finden,
(die wir auf den nächsten Seiten detaillierter aufführen),
und so ihre Umwandlung in auch kompliziertere Rezepte beobachten
und diese Gerichte der lokalen Gastronomie kennen- und schätzen
lernen. Und alle der Strasse teilhabenden Betriebe werden von
Pellegrino Artusi noch etwas gelernt haben : ‘…die
beste Suppe, die ihr Euren Gästen anbieten könnt,
.... ist ein freundliches Gesicht und wahre Gastfreundschaft!…’