Unter den für die Hausmannsküche der Romagna typischen
Süßspeisen, die im Laufe der Geschichte ihre „zuckersüssen
“ Spuren hinterlassen haben, findet man die Süßigkeiten
für zeremonielle Ereignisse und Feste (Kirmes, Tauffeiern,
Firmungen, Hochzeiten).
Ein Beispiel dafür ist der Bracciatello (brazadel: der
Keks mit dem Loch in der Mitte, damit das Kind seine Hand hineinstecken
kann); der Bustreng (der Name scheint barbarischen Ursprungs
zu sein), ein nahezu geheimnisvolles Kuchenrezept (32 Zutaten,
davon sind jedoch nur 20 bekannt), das von den Hausfrauen von
Borghi geheimgehalten wird und gewöhnlich am zweiten Sonntag
des Monats Mai bei dem gleichnamigen Dorffest vorbereitet wird;
die Pagnotta (Osterkuchen), die in Sarsina mit einem eigenen
Fest gefeiert wird, auf deren geschichtlichen Ursprung aber
auch die Einwohner von Mercato Saraceno Anspruch erheben; der
Migliaccio (genannt Miaz , wird mit Schweineblut hergestellt),
dabei handelt es sich um einen traditionellen Winterkuchen.
Unübertrefflich in ihrer Einfachheit und ihrem Duft ist
die traditionelle Ciambella aus Eiern und Mehl mit dem typischen
“Loch” in der Mitte, und die Zuppa inglese (englische
Suppe genannt, es wäre jedoch angebrachter, sie romagnolische
Suppe zu nennen), deren Zutaten Dessertcreme und Schokolade
sind, die mit Alchermes-Likör benetzt sind.
Unter den Süßspeisen der Tradition sind zwei besondere
nach langer Zeit und zu Recht wieder in Mode gekommen, welche
zur Zeit der Weinlese aus Traubenmost vorbereitet werden: der
Savor und die Saba. Der Savor (E’ Savor, Savour) dessen
Name im Dialekt an das Bauerntum erinnert, ist eine Art Marmelade
aus vielen verschiedenen Früchten, die energiereich und
äußerst schmackhaft ist, da die Früchte mit
Most in einer langen, arbeitsreichen Vorbereitung vermischt
werden; es handelt sich um ein Erzeugnis, das pur oder mit Brot,
Gitterkuchen, Ciambelle (siehe vorher erwähnten Kuchen)
genossen werden kann, usw.. Das Dorffest des Savor findet in
Montegelli di Sogliano am letzten September-Wochenende statt.
Die Saba (Sapa) ist ein zuckerhaltiger und weinartiger Syrup,
der hier bereits von den Römern als Alternative zum Honig
gebraucht wurde, um ihren Wein zu süßen; bis vor
wenigen Jahrzehnten war es üblich, die Saba als einfaches
Sorbet zu genießen, dem man frischen Schnee zufügte
(der Schnee im Glas der bäuerlichen Tradition...). Die
Saba wird verschiedenen Gerichten zugefügt, um Gemüse,
Obst, Brot bzw. anderen Lebensmitteln eine besondere Note zu
geben.